Alles im Koffer?

Für alle, die ihre Koffer noch nicht gepackt oder schon wieder ausgepackt haben, habe ich heute einige Kofferwörter im Gepäck. Erfunden hat diese Kofferwörter der britische Schriftsteller Lewis Carroll, der bereits 1871 in seinem berühmten Unsinns-Gedicht »Jabberwocky« den Begriff »slithy« ersann, der sich aus »lithe« = biegsam, geschmeidig und »slimy« = schleimig zusammensetzt.

Von dem Schriftsteller kommt auch der Begriff »portmanteau words«, denn er lässt Humpty Dumpty (bekannt als Goggelmoggel aus dem Buch Alice hinter den Spiegeln) im Gespräch mit Alice erklären, dass diese Wörter wie ein Koffer seien, der zwei Bedeutungen in einem Wort enthielte. Und er benennt diese Wortschöpfungen mit dem französischen Begriff für Handkoffer, der zu jener Zeit in Großbritannien durchaus gebräuchlich war.

Kofferwörter sind also Wörter, in denen zwei Bedeutungen oder Eigenschaften eines Gegenstands sich in diesem neuen Wort zu einer neuen Bedeutung verbinden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie komplexe Sachverhalte kurz und knackig wiedergeben. Man könnte auch Zusammenziehung dazu sagen, aber ich finde Kofferwörter klingt einfach netter. Hier eine kleine Auswahl modernerer Kofferwörter:

»Nutraceuticals« aus »nutrition« und »pharmaceuticals«.

»Brunch« aus »breakfast« und »lunch«

»Smog« aus »smoke« und »fog«

»Teuro« aus »teuer« und »Euro«

»Vitamin« aus »vital« und »Amine«

Auch die bekannte »Carboxylgruppe« ist eigentlich ein Kofferwort, denn sie besteht aus »carbonyl « und »hydroxyl«. Aus dem Bereich der Botanik kennen wir die »Jostabeere«, deren Eltern die Johannisbeere und die Stachelbeere sind. Wenn allerdings beide Elternpflanzen in Süddeutschland in einen Koffer gesteckt werden, entsteht eine »Jochelbeere«.

Bevor das Thema allerdings zu »affentheuerlich« wird (hat sich Heinrich Heine ausgedacht), übe ich mich frei nach Karl Valentin im »Stillentium« und hoffe, Ihnen gefiel das kleine »Infotainment«.

Ihre Übertechnologin und Lebensmittelsetzerin Christiane Sprinz

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