Der Sturm im Netz

Heute falle ich mal mit der Tür ins Haus, genauer gesagt mit einem vielerorts als unanständig eingestuften Wort: »Shitstorm«.

Deutsche Sprachwissenschaftler haben das Wort zum Anglizismus des Jahres 2011 erklärt, da es eine Lücke im deutschen Wortschatz fülle, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan habe. Das Wort habe sich im Laufe der letzten Jahre von der Netzgemeinde aus auf den allgemeinen Sprachgebrauch ausgebreitet und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt. Zudem ermögliche es eine klare Differenzierung seiner Bedeutung gegenüber Wörtern wie Kritik, Protest oder Sturm der Entrüstung. Soweit die offizielle Begründung.

Sogar Kanzlerin Merkel soll das Wort im Zusammenhang mit der Eurokrise während eines Treffens mit Politikern in den Mund genommen haben, ohne dass sich jemand hierzulande über diese Wortwahl erschüttert zeigte. Die altehrwürdige britische Times vermutet gar, es sei diesem Vorfall geschuldet, dass der Begriff »Shitstorm« inzwischen in den deutschen Duden eingezogen ist.

Sehr zur Verwunderung der Briten übrigens, die einer solch vulgären Sprache eher abhold sind und sowieso die Überzeugung hegen, wir Deutsche hätten schon genug »schmutzige« Wörter im Sprachgebrauch. Außerdem beschreibt »shitstorm« in Großbritannien allgemein einen Aufruhr, einen Tumult oder ein chaotisches oder desaströses Ereignis, während sich der Begriff bei uns auf die mediengängige Bedeutung im Sinne von »Sturm im Internet« beschränkt.

Auch behaupten unsere Nachbarn von der Insel, dass das Wort nicht von ihnen zu uns herübergeschwappt sei. Die Amerikaner seien Schuld, die hätten es erfunden. In der Tat soll Norman Mailer bereits 1948 in seinem Roman »The Naked and The Dead« diesen Begriff gebraucht haben.

Trotzdem schreiben amerikanische Medien lieber »s***storm«, weil es eben ein unanständiges Wort ist. Im englischen Sprachraum ist ein Sturm im Netz eher unter Begriffen wie »flaming«, »bashing«  oder »flame war« bekannt.

Nun jedenfalls ist der »Shitstorm« Bestandteil der deutschen Sprache geworden und man sollte wissen, dass dieser Begriff im Englischen einfach nicht die Bedeutung hat, die wir ihm geben. Dieses Schicksal teilt der »Shitstorm« mit dem »Handy«, denn das gibt es auch nur bei uns.

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