Die Frage aller Fragen

Gehörten Sie zu den geschätzt zehn Millionen Menschen, die Ende April vor den Fernsehgeräten saßen, um eine Märchenhochzeit zu sehen? Haben Sie sich auch gewundert, warum Kate und William ein »Yes, I will« von den Lippen perlte, wo man doch sonst in Hollywoodfilmen immer ein »Yes, I do« hört? Ob das mit dem kulturellen Unterschied zwischen Amerikanern und Briten zu tun hat? Die Amis, von Natur aus etwas naturburschenhafter veranlagt, schmettern eben ein »Na klar, her mit der Frau« in den Raum, während die Briten – quasi mit abgespreiztem kleinen Finger die Teetasse haltend – ein »Das will ich gerne tun« hauchen?

Nein, so weit lassen sich die Vorurteile nicht bestätigen. Die richtige Antwort auf die alles entscheidende Frage hängt von der Frage ab. Im Englischen kann man Fragen auf zweierlei Arten bilden, je nachdem ob ein Vollverb oder ein Hilfsverb mit im Spiel ist.

Der Aussagesatz »I want to marry this man« enthält ein Vollverb und muss als Frage mit »to do« umschrieben werden. »Do you want to marry this man?« – und entsprechend wird auch geantwortet, nämlich im Hier und Jetzt mit »Yes, I do.« Bei einem »Yes, I want« würde der Pfarrer vermutlich vor Schreck die Ringe fallen lassen.

Es geht natürlich auch etwas vornehmer. »Do you take this man to be your lawfully wedded husband?« Doch die Antwort ist die gleiche: »Yes, I do« oder – falls Sie einen Skandal provozieren wollen – »No, I don't«.

Bei der königlichen Eheschließung wurde dem zukünftigen englischen Monarchen einfach eine andere Frage gestellt, nämlich die nach seinen Absichten in der Zukunft (und die Zukunft wird im Englischen mit einem Hilfsverb gebildet): »Will you love her, comfort her, honor her and keep her in sickness and in health…«. Die grammatikalisch einzig richtige Antwort ist »Yes, I will.« Leider ist nicht überliefert, in welcher Höhe bei den wettfreudigen Briten die Quoten für ein »No, I won't« aus Kates Mund ausgefallen sind.

Übrigens, ein knappes »Yes« oder »No«, wie bei uns als Antwort auf Entscheidungsfragen üblich, genügt im Englischen nicht und gilt als unhöflich.

Diese Regeln gelten natürlich nicht nur bei Hochzeiten, sondern auch im Geschäftsleben. So könnten Sie mich zum Beispiel fragen: »Do you really want to go on holiday tomorrow?«. Meine freudige Antwort darauf würde sein »Yes, I do!«

Und das ist auch der Grund, warum es im Juni keine SPRINZ-News gibt. Aber im Juli wieder.

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