Englisch in der EU

Der Traum von den Vereinigten Staaten von Europa – er wird wohl ein Traum bleiben. Und das nicht nur, weil die Briten momentan »second thoughts« dazu entwickeln. Es sind wohl auch die 23 Amtssprachen, die die Verwirklichung dieses Traumes so schwer machen.

Damit die Verständigung in Europa überhaupt klappt, unterhält die EU einen Riesenapparat, der sich nur um Übersetzungen kümmert: die Generaldirektion Übersetzung. Im Jahr 2012 wurden dort sage und schreibe 1.760.615 Seiten übersetzt, davon der Hauptteil (fast 15%) ins Englische. In der Behörde arbeiten 2273 verbeamtete und hochdotierte Menschen an der sprachlichen Völkerverständigung, davon sind 1474 Übersetzer.

Die Zahl der externen Übersetzer wird nicht angegeben, aber die Auswahlkriterien für diese sind äußerst streng. Gearbeitet wird nach peniblen Vorgaben, was die Auftragsabwicklung, die Referenztexte und auch die von der EU für jede Übersetzung durchgeführte Qualitätsbewertung anbelangt. Für letztere kommt eine Formel zum Einsatz, die in ihrer Kompliziertheit Albert Einsteins Relativitätstheorie wie eine Aufgabe für Erstklässler aussehen lässt.

Umso mehr überrascht jetzt ein von der EU-Kommission veröffentlichtes Dokument mit dem Titel: »A brief list of misused English terminology in EU publications«*.

Die EU, die große, über alles wachende EU, musste feststellen, dass Fehler passiert sind, dass das Englisch, das in den veröffentlichen Texten der EU steht, nicht immer so ist wie ein Muttersprachler es wohl gerne hätte. Leider fehlt der Hinweis darauf, wie das passieren konnte. Immerhin gibt es eine Liste von Beispielen mit Hinweisen, welcher Begriff wohl besser gewesen wäre bzw. in Zukunft besser verwendet werden sollte. Vor einigen davon habe ich auch schon in meinen SPRINZ-News gewarnt, den bekannten »falschen Freunden«.

Nun versucht die EU mit Hilfe dieses Dokumentes die abtrünnigen Begriffe wieder einzufangen.

Und so lernen wir (erneut), dass »eventual« immer noch nicht eventuell heißt, auch wenn es in manchen EU-Texte in dieser Bedeutung vorkommt, und auch »eventually« bedeutet immer noch letztendlich oder schließlich, obwohl es in EU-Texten manchmal möglicherweise bedeutet. Selbst das »actual« bleibt in seiner Bedeutung tatsächlich oder wirklich und mutiert nicht zu aktuell.

Klug stellt die EU zudem fest, dass »homogenise« meistens in Bezug auf Milch verwendet wird und man damit kein politisches Regelwerk homogenisieren kann, sondern dieses eher standardisieren oder vereinheitlichen sollte. Obwohl ich mir bei einigen Regelwerken eine schöne Homogenisierung mit anschließender Pulverisierung durchaus vorstellen könnte.

Bleibt noch die Frage, wann die EU denn endlich mal die falschen deutschen Begriffe in eine Liste packt und wieder einzufangen versucht. Ich denke da an organische Lebensmittel (schon mal anorganische gegessen? Liegen schwer im Magen) oder genetisch veränderte Organismen (da hat die EU verschlafen, dass es für »genetic« im Deutschen zwei Begriffe gibt, genetisch und gentechnisch, und diese kontextbezogen eingesetzt werden müssen).

Denn immerhin, und das gibt die EU auch zu, werden diese »falschen« EU-Worte leicht in die Alltagssprache übernommen. Und das muss doch nicht sein - oder?

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