Heilige Wetterfrösche

Letzte Woche war Siebenschläfertag und seitdem glauben viele, dass dieser Sommer wohl kein Traumsommer werden wird. Wer ist eigentlich dieser Siebenschläfer, der das Wetter ausmacht? Er hat jedenfalls nicht mit den possierlichen kleinen nachtaktiven Tierchen, die auf englisch mit dem weniger netten Namen »edible dormouse«, wörtlich »essbare Schlafmaus«, belegt werden.

Der Siebenschläfertag ist ein katholischer Gedenktag an die Sieben Schläfer von Ephesus. Der Legende nach sollen sieben Jünglinge im Jahr 251 während einer Glaubensverfolgung in einer Höhle Schutz gefunden und dort mehrere Jahrhunderte geschlafen haben.

Und nun kommt das Wetter ins Spiel. Um diesen Gedenktag herum stellt sich meist eine für einige Wochen stabile Großwetterlage ein, eine meteorologische Singularität. Das beobachten die Bauern schon seit Jahrhunderten und haben daraus diese Regeln abgeleitet:

»Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass«
oder
»Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne«.

Es stellt sich jedoch die spannende Frage, ob es den Siebenschläfertag samt seiner Bauernregel (englisch »weather lore«) auch in anderen europäischen Ländern gibt, vielleicht sogar in Ländern, in denen das Wetter noch mieser sein soll?

Die Legende der Sieben Schläfer (»The Seven Sleepers«) ist auch in England bekannt, aber die Wetterregel dort bestimmt ein anderer Heiliger, St. Swithun. Der war Bischof von Winchester und als er 862 starb, wurde er seinem Wunsch entsprechend so begraben, dass Regen auf sein Grab fallen konnte. Am 15. Juli des Jahres 971 sollte der Leichnam des heiligen Mannes in einen goldenen Schrein in der Kathedrale überführt werden. Aber es goss ununterbrochen, so dass die Zeremonie um 40 Tage verschoben werden musste. Damit war der Zusammenhang zwischen dem verstorbenen Bischof und dem Wetter perfekt. Und so kommt es, dass die Briten keinen »Seven Sleepers Day« haben, sondern dass der 15. Juli als »St. Swithun’s Day« in die Bauernregeln eingegangen ist. Und dazu gibt es den folgenden Reim:

St Swithun's day if thou dost rain
For forty days it will remain
St Swithun's day if thou be fair
For forty days 'twill rain nae mare

In Frankreich wird der Heilige Gervasius für die Prognose des Sommerwetters herangezogen. Sein Gedenktag ist der 19. Juni: »Wenn’s regnet auf Gervasius, es vierzig Tage regnen muss«.

Übrigens, in Finnland zelebriert man den »National Sleepy Head Day« am 27. Juli, indem man denjenigen im Haus, der am längsten schläft, mit Wasser überschüttet oder – sofern vorhanden – in den nächsten See wirft. Das hat allerdings nichts mehr mit der Wetterregel zu tun, sondern ist der Tag, an dem man der oben genannten Sieben Schläfer gedenkt.

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