König Fußball

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten – das meinte Sepp Herberger schon 1954 zu wissen. Aber so einfach ist die Sache leider nicht mit dem Fußball, jedenfalls nicht, wenn man sie rein sprachlich betrachtet. Die erste Frage, die sich stellt, will man mit der englischsprachigen Welt über die bestehende Fußball-EM kommunizieren, lautet: »soccer« oder »football«? Völlig klar, werden Sie denken, »football« für Briten, »soccer« für Amerikaner. Nun denn, lesen Sie weiter...

Historisch gesehen ist »football« zunächst einmal ein Spiel, das drei Anforderungen erfüllen muss: 1. es wird mit Teams gespielt, 2. die Spieler stehen dabei überwiegend auf ihren eigenen Füßen (das schließt das beliebte britische Polospiel aus) und 3. verwenden einen Ball, der nicht unbedingt rund sein und nicht unbedingt ausschließlich mit den Füßen bewegt werden muss.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde an den öffentlichen Schulen Englands viel »football« gespielt, allerdings gab es keine einheitlichen Spielregeln. Daher gründetet sich 1863 der englische Fußballverband »Football Association«, um einheitliche Regeln aufzustellen. Aber wie das in Vereinen so ist, die einen wollen nicht so wie die anderen, und darum schieden die Rugbyspieler bald aus und gründeten ihren eigenen Verband.

Drei Schülern der Rugby School in Großbritannien sollen 1845 das bereits seit über 100 Jahre an ihrer Schule gespielte Spiel in Regeln gefasst haben. So entstand der »rugby football«. Bei diesem Spiel ist der Ball eher eiförmig (»egg shaped«) und daher besser zu greifen. Es sind pro Mannschaft 15 Spieler auf dem Platz, Handkontakt mit dem Ball ist erwünscht und erlaubt, ebenso wie das Drängeln und Behindern des Gegenspielers.

Daraus, so erzählt man sich, hat sich der »American football« entwickelt, bei dem 11 Spieler mit ihren Füßen auf dem Spielfeld stehen oder liegen und versuchen, einen Ball in Form eines verlängerten Rotationsellipsoids (»elongated spheroid with more pointed ends«) in die gegnerische Endzone zu bringen. Das geht nicht ohne Keilerei ab und ist weit entfernt von eleganten Doppelpässen (»wall pass«) und brillanten Steilpässen (»through pass»), durch die sich unser Fußball auszeichnet.

Das Spiel, das demnächst viele begeistern wird, bekam in England den Namen »association football«. Der Ball ist rund (»spherical«) und sollte im Idealfall nur mit den Füßen bewegt werden. Und weil »association football« ein sehr langer Begriff ist und dieser sowie nur erfunden wurde, um unseren Fußball vom Rugby abzugrenzen, wurde bereits um 1895 an der University of Oxford die Abkürzung »soccer« für »association« (»assoc.«) eingeführt.

Daraus folgt: »Soccer« ist ein urbritisches Wort und nicht, wie viele meinen, ein amerikanisches. Wenn Sie sich also demnächst mit Briten oder Amerikanern über Fußball unterhalten (wichtige Vokabeln finden Sie hier: http://www.firstbasesports.com/soccer_glossary.html), können Sie ohne Rücksicht auf die Nationalität des Gegenübers von »soccer« oder »football« oder gar »soccer football« sprechen. Man wird Sie verstehen.

Und bis zum Anpfiff dürfen Sie gerne über dieses Sprichwort nachdenken, das Oscar Wilde zugeschrieben wird:

»Football is a gentleman's game played by ruffians, and rugby is a ruffian's game played by gentlemen.«

Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, das von Rüpeln gespielt wird, und Rugby ist ein rüpeliges Spiel, das Gentlemen spielen.

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Quellenhinweis: Die Informationen in dieser SPRINZ-News habe ich verschiedenen Wikipedia-Einträgen http://de.wikipedia.org, der Online Encyclopedia www.encyclo.co.uk und der Website http://www.sportsknowhow.com/rugby/history/rugby-history.shtml entnommen.

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