Kultur und #

Immer wenn ein Jahr sich dem Ende zuneigt, in diesem Fall »as 2014 draws to a close«, werden die so genannten Wörter des Jahres gekürt. Schauen wir heute mal, wer 2014 in dieser Disziplin den Preis gewonnen hat.

Der amerikanische Wörterbuchverlag Merriam-Webster erstellt eine Rangliste der Wörter, die im Vergleich zu früheren Jahren im Jahr 2014 vermehrt aufgerufen wurden. An erster Stelle steht das Wort »culture«. Was sagt uns dieses über die amerikanische Kultur? Ist sie soweit heruntergekommen, dass die Leute schon im Wörterbuch nachschauen müssen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt?

Aber nicht doch! Normalerweise wird dieses Wort am häufigsten zu Beginn eines Schuljahres nachgeschaut. Dann also, wenn der Begriff Kultur auf dem Lehrplan steht. In diesem Jahr beschränkte sich die Nachfrage allerdings nicht nur auf diese Zeit. Die Redaktion führt das darauf zurück, dass »culture« zu einem akademischen Begriff geworden ist, mit dessen Hilfe man eine Idee, ein Thema oder eine Gruppe identifizieren und separat bezeichnen kann. Also eine »culture of transparency« oder eine »consumer culture«. Die »culture« ist also aus dem Klassenzimmer ausgebrochen und hat sich in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeschlichen, erscheint in verschiedenen Zusammensetzungen in Schlagzeilen und Analysen. Überall sprießt und gedeiht es: »culture of quality«, »culture of welcome«, »culture of health«, »culture of peace«. Kein Wunder, dass man sich bei diesem inflationären Gebrauch vergewissern muss, was es mit dem Begriff »culture« auf sich hat.

Auf dem zweiten Platz dieser Rangliste steht »nostalgia«, das aufgrund der Krimkrise und der Berichte über »Soviet nostalgia« sowie wegen der Niederlage von Eric Cantor, bis Juli 2014 Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses, gegen einen bis dato unbekannten Herausforderer der Tea Party und den entsprechenden Diskussionen über »the politics of nostalgia« zu einer Verdoppelung der Aufrufe führte.

Das britische Oxford Dictionary kürt ebenfalls das Wort des Jahres. Allerdings basiert hier die Einschätzung nicht auf den Aufrufen, sondern eher auf sprachlichen Trends. Daher steht auch ein relativ neues Wort ganz oben auf der Liste: »vape«. Das haben Sie noch nie gehört? Dann rauchen Sie auch keine E-Zigarette, denn »vape« beschreibt das Ein- bzw. Ausatmen des Rauchs, der von diesem neuartigen Gerät erzeugt wird.

In die engere Auswahl kam auch die Jobbezeichnung »budtender« für die Bedienung in einem Haschladen.

Wie vergleichsweise bieder sind dagegen die Wörter des Jahres 2014, die von der Gesellschaft für deutsche Sprache auserkoren wurden:

Lichtgrenze als Bezeichnung für die Lichtinstallation anlässlich der Feierlichkeiten zum Mauerfall.

Die schwarze Null, deren Diskussion wir den hartnäckigen Bemühungen des Herrn Schäuble zu verdanken haben.

Und der Stoßseufzer Götzseidank, der nach dem Siegtor von Mario Götze im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft zum geflügelten Wort wurde.

Die Schweizer hingegen, unsere ganz besonderen Nachbarn, haben ein ganz besonderes Zeichen als Wort des Jahres gewählt: #. Ja, genau, der so genannte »Hashtag«, auf helvetisch auch als Gartenhag (Gartenzaun) bezeichnet, ist in den sozialen Medien von Twitter bis Instagram gebräuchlich. Für die Jury steht er für »eine zunehmende Verdichtung, ja sogar Verschlagwortung der Sprache« und damit auf Platz 1 der Wörter des Jahres in der Schweiz.

In diesem Sinne #SprinzNews #2014 #Weihnachten #2015

oder auf herkömmliche Weise:

Dies war die letzte Sprinz-News für das Jahr 2014. Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2015.

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