Marketingsprache

Letzte Woche las ich in einer Pressemitteilung über die traditionelle Herstellung von Brot den Satz: »Wer heute Brot mit Charakter essen möchte, hat es schwer.« Es drängte sich mir sofort die Frage auf, ob ein Brot einen Charakter haben kann - und wenn ja, welchen? Einen guten oder schlechten, ist es verschlagen oder listig, ist es verträglich oder streitbar, ist es verschroben oder liebenswert? Gibt es analog zum menschlichen Charakterkopf auch einen Charakterlaib bei Broten? Und möchte ich ein Brot essen, das einen Charakter hat?

Marktingsprache geht manchmal seltsame Wege.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, welche Aufgabe eigentlich ein Impulsverstärker hat?

Fragt man einen Ingenieur, wird der sicher zu einer längeren Antwort über Signale und deren Wege ausholen. Allerdings haben auch die Marketingfachleute in Deutschland diesen Begriff für sich entdeckt: Die Firma XY ist ein Impulsverstärker für Ihre Ideen. Dieser und ähnliche Sätze begegnen mir immer häufiger und damit stellt sich die Frage nach einer adäquaten Übersetzung. Die findet man im Netz der Netze »pulse amplifier«. Und so wird es dann auch gerne von deutschen Firmen auf der eigenen englischsprachigen Webseite übernommen. »XY is a pulse amplifier for your ideas.«

Leider kann die englischsprachige Gemeinde mit diesem Wort im Marketingzusammenhang nichts anfangen, da »pulse amplifier« ein technisches Gerät beschreibt. Was also tun? Zerlegen wir das Wort doch mal in Impuls und Verstärker. Impuls kann man mit »pulse« (technische Bedeutung), aber auch mit »impulse« (im Sinne von Anstoß, Drang, Regung, Reiz) übersetzen, letzteres kommt der Bedeutung des marketingmäßigen gebrauchten Impulsverstärkers etwas näher. Dann ist da noch der Verstärker und die Qual der Wahl: »amplifier« (technisch), »booster« (elektrisch), »intensifier«, »multiplier«, »strengthener«. Bauen wir uns mal etwas zusammen und prüfen es bei google:

»impulse booster« - immer noch zu technisch.

»impulse multiplier« - auch noch sehr technisch.

Es scheint, als hätten die englischsprachigen Marketingleute diesen Begriff noch nicht für sich entdeckt. Bleibt also nur ein Umstellen des Satzes: »XY will magnify your ideas« bringt den Sinn hervorragend rüber, auch ohne das Modewort (buzzword) Impulsverstärker.

Und beim Brot könnte man eine Übersetzung wählen, die Raum lässt für die eigene Fantasie. Beispielsweise »bread made with tradition« oder »bread with traditional characteristics« oder gar »back-to-the-roots bread«. So kann sich jeder sein Lieblingsbrot vorstellen, das leicht-säuerliche Aroma von Sauerteig, den verlockenden Duft eines Laibes, der frisch aus dem Holzofen kommt, oder die perfekt gebräunte Kruste, in die man einfach reinbeißen muss.

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