Sprache und Sparen

Unsere Sprache entscheidet über unser Sparverhalten. Das behauptet Keith Chen von der Universität Yale. Er hat die Ergebnisse der so genannten World-Values Surveys (weltumspannende Umfragen zu den Werten der Menschen) in Korrelation zu der Sprache gesetzt, die in den entsprechenden Ländern gesprochen wird.

Demnach sind die Deutschen eher zum Sparen aufgelegt als beispielsweise die Amerikaner und Engländer. Den Grund sieht Herr Chen in unserer Sprache, die nur ein »schwaches Futur« kennt, während das Englische mit einem »starken Futur« ausgestattet ist.

Ein Beispiel: Für den Autoresponder unserer E-Mails schreiben wir: »Ich bin am 20. April wieder im Büro.« Wir verwenden also die Zeitform des Präsens für ein Geschehen in der Zukunft. Das nennt man ein »schwaches Futur«.

Anders im Englischen: »I will be back in my office on 20 April.« Ein Geschehen in der Zukunft braucht in dieser Sprache die Zukunftsform, ein »starkes Futur«.

Im Englischen verwendet man das Präsens für Dinge, die in der Zukunft geschehen, nur für festgelegte Ereignisse wie Ankunftszeiten von Zügen oder Flugzeugen. »The train arrives tomorrow at 8 a.m.«

Demnach – so schließt der Wissenschaftler – ist den Menschen, die Sprachen mit schwachem Futur sprechen, die Zukunft näher, weil sie diese bereits als (fast) Gegenwart ansehen. Dadurch sind uns auch zukünftige Ereignisse näher, so dass wir ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken. Zum Beispiel Altersvorsorge (daher das bessere Sparverhalten), aber auch unsere Einstellung zur Gesundheit (Deutsche rauchen weniger und haben weniger Übergewicht).

Wenn Sie in Zukunft sprachlich immer richtig liegen möchten, fragen Sie einfach mich.

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