Tag der Muttersprache

Der 21. Februar ist Tag der Muttersprache, der »International Mother Language Day«. Die UNESCO hat diesen Tag im Jahr 2000 ausgerufen, um sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit zu fördern. Historisch gesehen nimmt dieses Datum Bezug auf den 21. Februar 1952. Damals fand in Dhaka (heute Hauptstadt von Bangladesch, gehörte damals zur pakistanischen Region Ost-Bengalen) eine Demonstration statt, um gegen den Beschluss der Regierung zu protestieren, die Sprache Urdu als alleinige Amtssprache einzuführen. Urdu wurde damals nur von 3% der Bevölkerung gesprochen. Einige der Demonstranten, die die bengalische Sprache als zweite Amtssprache forderten, überlebten diesen Tag nicht. So viel zur Geschichte dieses Tages, der dazu dienen soll, das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen zu schärfen.

Für das Deutsche übernimmt diese Aufgabe unter anderem der Verein Deutsche Sprache, der alljährlich den Preis »Sprachpanscher des Jahres« verleiht, weil er davon überzeugt ist, die englische Sprache würde die deutsche Sprache massiv verdrängen. Preisträger im Jahr 2013 war der Duden, das Wörterbuch der Deutschen schlechthin. In der Begründung des Vereins kann man lesen: »Wie kaum eine andere Organisation trage der Duden seit Jahren dazu bei, dass sich sprachliches Imponiergehabe im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe.« Und der Verein schlägt vor, in seinen Augen überflüssige Anglizismen wie »Laptop« durch Klapprechner und »Stalker« durch Nachsteller zu ersetzen.

Außerdem wirkt der Verein bei der Veröffentlichung des Buches »Der Anglizismenindex« mit, in dem etwa 7500 Anglizismen und deren wünschenswerte deutsche Gegenstücke aufgelistet werden. Beispielsweise sollte der »cheeseburger« zu einem »Käsehamburger« werden, wobei der »Hamburger« selbstverständlich deutsch ausgesprochen wird, also so wie die Einwohner der Stadt im Norden. Aus der »E-Mail« wird dann flugs die Netzpost, die wir schicken/schreiben/versenden statt sie einfach zu mailen.

Was den Umgang mit Anglizismen anbelangt, so steht der Verein ganz offensichtlich an einem Ende der Skala. Am anderen Ende stehen die Marketingabteilungen einiger Unternehmen. Die Werbung überschüttet uns mit Slogans, die kaum einer versteht, wie eine Erhebung der Endmark GmbH aus Köln am Beispiel einiger »Auto-Claims« ergab. Ob »Drive@earth« von Mitsubishi oder »Enjoyneering« von Seat, ob »How alive are you?« von Jaguar oder »Shift_Expectations« von Nissan – kaum ein deutscher Verbraucher war in der Lage, diese Sprüche so zu »übersetzen«, wie die Unternehmen sie gemeint hatten.

Dazwischen steht die Übersetzerin und fragt sich, ob sie die deutsche Sprache retten und »Health Claim« konsequent als »gesundheitsbezogene Angabe« übersetzen soll oder ob sie - der Internationalität ihrer Kunden entsprechend - den englische Begriff auch in den deutschen Texten stehen lässt. Oder ob - und vor allen Dingen wie - sie Jobbezeichnungen (pardon, Arbeitsplatzbeschreibungen) wie »Group Manufacturing Manager«, »Director of Innovation« oder gar »Senior Sales Manager EMEA« übersetzen soll.

Im Übrigen, das muss zur Ehrenrettung des Duden gesagt werden, orientiert sich dieser am allgemeinen Sprachgebrauch. Die Dudenredaktion* schaut also dem Volk auf Maul und nimmt die Worte neu in den Duden auf, die von den Deutschen hier im Lande gesprochen und geschrieben werden. Es liegt also in unser aller Hand (bzw. Mund), ob »food« demnächst das Lebensmittel, »wellness« das Wohlgefühl und »health« die Gesundheit aus der deutschen Sprache drängen werden.

In diesem Sinne ein fröhliches »Machen Sie’s gut« oder auch »take care«

 

*Mehr darüber, wie ein Wort in den Duden kommt, können Sie im Infoblatt des ADÜ Nord nachlesen.

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