Vanille oder Schokolade?

Haben Sie dieses Jahr auch schon in der Frühlingssonne das erste Eis geschleckt? Die Deutschen verzehren laut Angaben des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie knapp 8 Liter Speiseeis pro Kopf. Die Amerikaner schaffen über 18 Liter; was aber wohl nicht nur an den ungleich riesigeren Kugeln liegt.

Speiseeis wird gemeinhin mit »ice cream« übersetzt und daher war ich umso überraschter, in einer EU Verordnung den Begriff »edible ices« für Speiseeis zu finden. Das klingt ja wie wortwörtlich aus dem Deutschen übersetzt und würde mich auch nicht wundern, hat sich die EU schon häufiger mal mit haarsträubenden Übersetzungen hervorgetan. In diesem Fall aber wohl eher nicht.

Eine Google-Suche brachte Erhellendes ans Licht: Die European Ice Cream Association (Euroglaces), die sich als »Stimme der europäischen Speiseeisindustrie« bezeichnet, verwendet den Begriff auch und liefert gleich eine Definition: »Edible ices is therefore understood as common terminology for products such as water ice, ice cream, milk ice, dairy ice cream, fruit ice, sorbet and any similar foods such as iced smoothies and products of which edible ice is a component and that are consumed in their frozen state

Demnach ist »edible ices« der Oberbegriff zu »ice cream« und schließt Sorbets und andere im gefrorenen Zustand verzehrte Lebensmitteln mit ein. In der Tat wird auf der Website des Verbandes beklagt, dass »ice cream« häufig mit »edible ices« gleichgesetzt wird. Ein Eisfrevel - sozusagen, der uns in Deutschland unberührt lassen kann, denn laut der deutschen Leitsätze zu Speiseeis und Speiseeiserzeugnissen fallen unter anderem folgende Produkte unter den Oberbegriff Speiseeis: Kremeis, Eiercremeeis, Rahmeis, Sahneeis, Fürst Pückler Eis, Milcheis, Joghurteis, Eiskrem, Eiscreme, (Frucht-)Sorbet, Wassereis.

Aber egal, wie man es nennt, Speiseeis gibt es schon sehr lange. Bereits die alten Römer und Griechen ebenso wie die Chinesen sollen sich an Speiseeis erfreut haben. Nero musst sich allerdings mit einer Mischung aus Wein, Honig und Schnee begnügen. Kein Vergleich zu unserem heutigen Angebot an Sorten. Das Speiseeis, wie wir es kennen, gibt es etwa seit dem Ende des 17. Jahrhunderts, denn 1776 eröffnete die erste Eisdiele in New York. Die industrielle Herstellung begann um 1920. Und im Jahr 1984 erklärte Präsident Ronald Reagan den Monat Juli zum »National Ice Cream Month« und empfahl seinen amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, diesen mit den angemessenen »ceremonies and activities« zu begehen. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch lässt darauf schließen, dass sich die Amerikaner nicht lange bitten lassen.

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