Zweisprachigkeit hält das Hirn auf Trab

Ein kanadisches Wissenschaftlerteam* hat festgestellt, dass Zweisprachigkeit gut für das Gehirn ist. Sie kann zwar nicht vor Alzheimer schützen, aber das Auftreten dieser Erkrankung um bis zu fünf Jahre verzögern. Wenn das stimmt, dann müssen im Umkehrschluss die Einwohner Frankreichs sehr frühzeitig ihr Gedächtnis verlieren, denn in keinem anderen Land habe ich bislang so eine umfassende Reserviertheit gegenüber einer anderen Sprache erlebt. Das macht das Bereisen dieses schönen Landes nicht gerade einfacher, insbesondere, wenn das Auto streikt.

Da standen wir nun in der Niederlassung einer deutschen Automarke in einer Großstadt nahe Paris. Uns gegenüber drei Automechaniker, die nach elektronischer Diagnose der Erkrankung des Autos den Kopf schüttelten und aus den Fehlermeldungen nicht schlau zu werden schienen. Wir hatten zwar einen Verdacht, aber unser Französisch reicht leider nur, um Baguette zu kaufen und im Restaurant nach der Rechnung zu fragen. Unser vorsichtshalber mitgeführtes Französisch-Wörterbuch hingegen enthielt durchaus die für diesen Notfall erforderlichen Vokabeln wie martre, câble und vilebrequin. Aber trotz dieser Worte und vieler pantomimischer Verrenkungen gelang es uns nicht, den Mechanikern klar zu machen, was sie tun sollten.

Da lobe ich mir doch den spanischen Obstverkäufer, den wir Tage später auf einem winzigen Markt in einem noch winzigeren Örtchen im Baskenland trafen und der uns mit sichtbarer Freude auf englisch bediente. Wobei er auch so schwierige Situationen meisterte, wie mir mit einem Augenzwinkern zu erklären, er würde jetzt nicht mit meinem 50-Euro-Schein durchbrennen, sondern diesen nur am nächsten Stand wechseln und dann sofort zurückkommen. Ich solle doch bitte derweil die leckeren Kirschen probieren. Auf Kosten des Hauses, versteht sich.

Und wie gelangten wir trotz streikendem Auto ins baskische Dörfchen? Wir übersprangen die Sprachbarriere in der Autowerkstatt mit Hilfe des Handys und einer zweisprachigen Freundin. Allerdings war die anfängliche Scheu der Mechaniker vor dem Handy ähnlich groß wie die, sich auf Englisch oder gar Deutsch mit uns zu unterhalten. Doch einer fasste sich glücklicherweise ein Herz und siehe da, nach 45 Minuten war das vom Marder angebissene Kabel des Kurbelwellensensors wieder repariert und wir konnten die Reise fortsetzen.

In diesem Sinne, pflegen wir neben unserer Muttersprache noch eine Fremdsprache (bei mir bekanntlich Englisch und leider nicht Französisch) und freuen uns darauf, dass uns dann unser Gedächtnis nicht so schnell im Stich lässt. Sollten Sie bezüglich der Fremdsprache einige Defizite bei sich verspüren, fragen Sie mich doch einfach nach meinen Schulungskursen »Fachenglisch für die Lebensmittelindustrie«.

* Delaying the onset of Alzheimer disease: Bilingualism as a form of cognitive reserve, Neurology November 9, 2010 75:1726-1729

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